Der Klimawandel und veränderte Marktbedingungen führen in Südafrikas Landwirtschaft zu einer Transformation. Farmer sind zunehmend mit extremen Wetterbedingungen wie verstärkten Regenfällen und länger anhaltenden Dürreperioden konfrontiert. Außerdem gestalten die Exportmärkte des Landes durch strengere Vorschriften die Produktionspraktiken neu. So hat die EU als einer von Südafrikas größten Abnehmern landwirtschaftlicher Erzeugnisse durch den EU Green Deal den Druck bezüglich verschiedener Regularien erhöht, z.B. für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Neue Dynamiken entstehen aber auch durch die Unsicherheit der Fortführung des mit den USA vereinbarten African Growth and Opportunity Acts (AGOA), der den zollfreien Warenaustausch zwischen den USA und Subsahara-Afrika ermöglicht. Viele Länder südlich der Sahara versuchen sich deshalb international breiter aufzustellen. Die Branche muss sich zudem auf eine erhöhte Nachfrage nach Agrarprodukten im Land selbst einstellen, da die südafrikanische Bevölkerung wächst.
Um gegenüber diesen Veränderungen widerstandsfähiger zu werden, setzen Landwirte in Südafrika immer mehr auf Smart-Farming-Lösungen. Durch innovative Technologien können sie ihre landwirtschaftlichen Prozesse optimieren und so ihre Produktivität, Effizienz und Nachhaltigkeit steigern, indem sie z.B. veränderten Klimabedingungen besser begegnen. Südafrikas Agrarsektor ist der am weitesten entwickelte auf dem afrikanischen Kontinent und gehört zu den vielfältigsten der Welt. Dort werden z.B. Gemüse, Getreide, Nüsse und Obst angebaut und ins Ausland exportiert. Die Marktgröße von Südafrikas Landwirtschaft soll laut einem Bericht des Marktforschers Mordor-Intelligence von 15,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 21,6 Milliarden US-Dollar bis 2031 steigen. Smart-Agriculture-Lösungen gelten als einer der treibenden Faktoren für das Wachstum.
Die Bandbreite an Innovationen aus dem Bereich Smart Farming ist enorm: Sie reicht von Software-Lösungen bis hin zu Robotern und Sensor-Technologien. Viele integrieren Automatisierungen, Datenanalysen, Konnektivität und KI. Über GPS-basierte Drohnen und Traktoren können z.B. Pflanzen präziser mit Pestiziden besprüht sowie Anbauprodukte überwacht werden. Drohnen-basierte Kartenservices mit GIS-Daten ermöglichen detaillierte Analysen landwirtschaftlicher Flächen. Darüber kann z.B. der gesundheitliche Status von Pflanzen beobachtet und Schädlinge frühzeitig erkannt werden. In Regionen mit Wasserknappheit bieten nachhaltige Wassermanagement-Tools wie smarte Bewässerungsanlagen oder Bodenfeuchtigkeitssensoren die Möglichkeit, Wasserreserven ohne Verschwendung einzusetzen. Auch Technologien für Ernteprognosen sind vorteilhaft, da sie den bedarfsgerechten Einsatz von Ressourcen sicherstellen. So gibt es z.B. satellitengestützte Düngungs-Methoden und Sensoren, über die meteorologische Daten gesammelt werden. Solche Tools ermöglichen es, bessere Entscheidungen darüber zu treffen, wo und wann etwas angebaut werden soll und welche Menge an z.B. Dünger benötigt wird. Aber auch im Lagerbestand und für Lieferungen kommen Smart-Farming-Lösungen zum Einsatz. So können etwa über digitale Tools Vorratsmengen oder Diesel-Reserven für Trucks bestimmt werden, auf die Farmer in Südafrikas ländlichen Regionen angewiesen sind.
Ein wichtiger Treiber für den digitalen Wandel sind Farm Management Systeme, die die Planung, Analysen und das Reporting vereinen. Über diese können z.B. unter Berücksichtigung lokaler Wetterdaten mithilfe von Sensoren und Drohnen, Analysen durchgeführt werden, auf deren Grundlage digitale Datensätze erstellt werden. Solche gewinnen für Exporte sowie Nachhaltigkeitsberichte an Bedeutung. Sie ermöglichen es z.B. festzuhalten, ob Compliance-Richtlinien eingehalten werden. Aber auch die Arbeitszeit kann darüber erfasst werden, was Aufschluss darüber gibt, für welche Aufgaben wie viel Zeit eingeplant werden sollte. Eine südafrikanische Farm-Management-Plattform ist SIZATrack360. Mittlerweile gibt es auch Plattformen, die Landwirten helfen, eine bessere Übersicht zu aktuellen Marktbedingungen zu gewinnen und sich mit Stakeholdern zu vernetzen. Khula ermöglicht es Farmern, direkt mit Kunden in Kontakt zu treten und eine Übersicht zu aktuellen Marktpreisen zu erhalten.
Der Einsatz solcher Methoden führt auf lange Sicht zu höheren landwirtschaftlichen Erträgen, weniger verschwendeten Ressourcen und einer besseren Kosteneffizienz. Allerdings geht er auch mit Herausforderungen einher und die Einführung sollte bedacht vorbereitet werden. So sind eine gut ausgebaute IT-Infrastruktur der landwirtschaftlichen Betriebe und das Vorhandensein der benötigten finanziellen Mittel essenziell. Auch müssen Mitarbeitende geschult werden und Kunden können beim Einsatz digitaler Tools erwarten, dass sich Landwirte stärker an ihre Bedürfnisse anpassen. Dadurch, dass Farmer in Südafrika sehr beziehungsorientiert sind, sollte zudem eine langfristige Zusammenarbeit angestrebt werden und die Offenheit für Austausche vorhanden sein. Für Smart-Farming-Anbieter ist das jedoch auch eine Win-Win-Situation, da sie so ihre Technologien kontinuierlich verbessern können.
Alexa Gerrard, Baden-Württembergs Wirtschaftsrepräsentantin in Südafrika, ist überzeugt, dass sich für südwestdeutsche Firmen ein Markteinstieg in der Branche lohnt: „Südafrika bietet großes Potenzial für Kooperationen in den Bereichen Präzisionslandwirtschaft, Digitalisierung und ressourceneffiziente Agrartechnologien – Stärken, für die baden-württembergische Unternehmen international bekannt sind.“ Firmen aus dem deutschen Südwesten können sich insbesondere durch den guten Ruf ihrer Produkte optimal positionieren und gegen kostengünstigere Wettbewerber aus Ländern wie China und Indien durchsetzen, da südafrikanische Landwirte auf lange Sicht Wert auf Qualität legen. Ein baden-württembergisches Unternehmen mit einer eigenen Niederlassung in Südafrika ist z.B. VEGA. Es stellt u.a. Sensoren für das Bestands- und Liefermanagement für landwirtschaftliche Betriebe her, deren Daten über eine App aufrufbar sind.
Bei weiteren Fragen zum Thema Smart Agriculture in Südafrika kontaktieren Sie gerne die Wirtschaftsrepräsentanz in Südafrika.
→ Zur Wirtschaftsrepräsentanz in Südafrika
Tiefergehende Einblicke in Smart-Farming-Lösungen in der südafrikanischen Provinz Westkap finden Sie im Market Intelligence Report der Organisation GreenCape. Im Interview mit der Wirtschaftsrepräsentantin Alexa Gerrard finden Sie konkrete Markteinstiegstipps und Informationen zu Expansionsmöglichkeiten in weiteren südafrikanischen Ländern.
Bilder: tong2530, Dewald