Was macht Kanada als Markt so interessant für Unternehmen aus Baden-Württemberg?
Yvonne Denz: Kanada und Baden-Württemberg zählen jeweils zu den innovationsstärksten und wirtschaftlich stabilsten Regionen der Welt – mit komplementären Stärken, die eine enge Zusammenarbeit besonders attraktiv machen. Beide Standorte verfügen über hohe Expertise in Schlüsselbranchen wie Automobil- und Maschinenbau, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, KI und Verteidigungstechnologie. Hinzukommt, dass Kanada mit einer dynamisch wachsenden Nachfrage, verlässlichen und investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen sowie einer klar zukunftsorientierten Innovations- und Industriepolitik zusätzliche Anreize für Unternehmen aus Baden-Württemberg bietet.
Besonders attraktiv ist die strategische Offenheit Kanadas für Kooperationen im Bereich der grünen Transformation, Digitalisierung und kritische Rohstoffe. Felder, in denen baden-württembergische Unternehmen technologisch und industriell viel zu bieten haben.
Es gibt zahlreiche Erfolgsgeschichten von baden-württembergischen Unternehmen in Kanada, von kleinen Unternehmen über Mittelständler bis hin zu großen Konzernen: Trumpf hat in Kanada seine Hightech-Lasersysteme etabliert, ZF Friedrichshafen liefert Antriebstechnologien für die kanadische Automobil- und Bahnindustrie, Herrenknecht ist mit Tunnelbauprojekten in verschiedenen Provinzen aktiv, Duravit zeigt mit seinem neuen Keramikwerk in Québec, das auf grünen Strom setzt, wie baden-württembergische Industriekompetenz und Kanadas Fokus auf nachhaltige Produktion erfolgreich zusammenfinden – und zahlreiche mittelständische Spezialisten etwa aus der Medizintechnikregion oder der Robotik finden in Kanada Zugang zu wachsenden Hightech-Clustern.
In Kombination mit Kanadas solidem Bankensystem, einer innovationsorientierten Industriepolitik und dem CETA-Freihandelsabkommen entsteht ein Umfeld, das baden-württembergischen Unternehmen hervorragende Chancen bietet – von Marktexpansion bis zu strategischen F&E-Partnerschaften.
Das aktuelle politische Momentum in Kanada schafft zudem günstige Voraussetzungen für internationale Kooperationen. Durch seine aktive Diversifizierungs- und Resilienzpolitik stärkt Kanada gezielt Partnerschaften in Zukunftsbranchen, um seine Wirtschaft breiter aufzustellen und strategisch unabhängiger zu machen. Besonders in den Bereichen kritische Rohstoffe, Automatisierung, Digitalisierung und KI fördert die kanadische Regierung Investitionen, Forschung und nachhaltige Wertschöpfungsketten. Diese Agenda eröffnet Unternehmen aus Baden-Württemberg attraktive Anknüpfungspunkte.
Mit welchen Themen kommen die Unternehmen auf Sie zu?
Für die meisten Unternehmen steht am Anfang der Expansion nach Kanada die Suche nach fundierten Marktinformationen – von branchenspezifischen Analysen bis zur Einschätzung konkreter Geschäftschancen. Ebenso wichtig ist die Identifikation geeigneter Geschäftspartner, ein entscheidender Faktor für einen erfolgreichen Markteintritt. Das Interesse an Delegationsreisen, individuellen Geschäftsanbahnungen und praktischer Begleitung vor Ort wächst stetig, da Unternehmen das kanadische Marktumfeld aus erster Hand kennenlernen möchten.
Darüber hinaus richten sich viele Anfragen an die AHK Kanada zu rechtlichen, steuerlichen oder visarelevanten Themen, die für den Start in einem neuen Markt entscheidend sind. Wir unterstützen Unternehmen ganzheitlich – von der Markt- und Zielgruppenanalyse über Beratung bei Rechts- und Steuerfragen sowie Immigration bis hin zu Tax-, Payroll- und Compliance-Services. Damit begleiten wir baden-württembergische Firmen Schritt für Schritt – von der ersten Marktsondierung bis zur erfolgreichen Etablierung ihres Geschäfts in Kanada.
Wie wird man Wirtschaftsrepräsentantin in Kanada und was macht Ihnen besonders viel Freude?
Als offizielle Wirtschaftsrepräsentanz Baden-Württembergs in Kanada vertritt die AHK Kanada seit November 2025 die Interessen des Landes im bilateralen Wirtschaftsaustausch. Für mich persönlich schließt sich damit ein Kreis: Ich bin in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen und zum Studium dann weggegangen. Nach vielen Jahren in Kanada bringe ich heute genau das mit, was die Rolle der Wirtschaftsrepräsentantin erfordert: tiefes Verständnis für beide Wirtschaftsräume und großes Interesse daran, nachhaltige Partnerschaften zwischen Baden-Württemberg und Kanada aufzubauen.
Beide Regionen eint der Wille, Zukunft aktiv zu gestalten – durch Technologie, Nachhaltigkeit und gegenseitiges Vertrauen. Dieses Momentum zu nutzen und weiter auszubauen, empfinde ich als großes Privileg und echte Herzensaufgabe.
→ Zur Wirtschaftsrepräsentanz in Kanada
Bild: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg