„Kanada und Baden-Württemberg zählen jeweils zu den innovationsstärksten und wirtschaftlich stabilsten Regionen der Welt – mit komplementären Stärken, die eine enge Zusammenarbeit besonders attraktiv machen“, ist Yvonne Denz, Baden-Württembergs Wirtschaftsrepräsentantin in Toronto und Geschäftsführerin der AHK Kanada, überzeugt. Seit November 2025 ist das Land Baden-Württemberg mit einer eigenen Wirtschaftsrepräsentanz in Kanada vertreten, um südwestdeutsche Unternehmen beim Markteinstieg zu unterstützen. „Beide Standorte verfügen über hohe Expertise in Schlüsselbranchen wie Automobil- und Maschinenbau, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, KI und Verteidigungstechnologie. Hinzukommt, dass Kanada mit einer dynamisch wachsenden Nachfrage, verlässlichen und investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen sowie einer klar zukunftsorientierten Innovations- und Industriepolitik zusätzliche Anreize für Unternehmen aus Baden-Württemberg bietet“, erklärt Denz.
Besonders offen sei die neuntstärkste Volkswirtschaft für Partnerschaften in den Bereichen Digitalisierung, grüne Transformation und kritische Rohstoffe, die auch von der kanadischen Regierung gefördert werden. Das Freihandelsabkommen CETA zwischen Kanada und der EU erleichtert die Zusammenarbeit zwischen beiden Regionen, z.B. durch die Abschaffung von Zöllen. Kanada punktet zudem durch sehr gut ausgebildete Fachkräfte, einem soliden Bankensystem und dem Zugang zu weiteren nordamerikanischen Märkten. Die Zukunftsbranchen KI, Wasserstoff sowie Luft- und Raumfahrt ragen durch ihr Potenzial für eine Expansion besonders heraus.
Die Fusion des kanadischen KI-Unternehmens Cohere und des Heidelberger Start-ups Aleph Alpha sorgte im April 2026 für Schlagzeilen. Sie verdeutlicht, wie wertvoll eine Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern im Bereich Künstliche Intelligenz ist, damit sie durch ihre Stärken gemeinsam wachsen und unabhängiger von US-Tech-Giganten werden können. Kanada gehört zu den weltweit führenden KI-Märkten und hat das Potenzial dieser Zukunftstechnologie früh erkannt: Bereits 2017 hat der nordamerikanische Staat eine nationale KI-Strategie umgesetzt. Sie führte nicht nur zu Regierungsinvestitionen in Milliardenhöhe in die KI-Infrastruktur, sondern zog auch zahlreiche internationale Talente an.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau kanadischer Rechenzentren, die wichtig für den Aufbau einer eigenen KI-Wertschöpfungskette sind. Sie erlauben Forschenden aus diesem Gebiet die Arbeit mit Hochleistungsrechnern und stellen die Datensouveränität sicher. Durch diese Förderpolitik hat sich in Kanada ein starkes KI-Ökosystem etabliert, das aus zukunftsweisenden wissenschaftlichen Instituten und Innovationsclustern besteht. Nennenswerte Akteure sind z.B. das Vector Institute und Canadian Institute for Advanced Research in Toronto sowie das Forschungsinstitut Mila in Montréal. Heraussticht auch das Spitzencluster Scale AI, das auf KI-gestützte Lieferketten spezialisiert ist und 2025 Investitionen von 72 Millionen US-Dollar für 23 neue Projekte bekanntgab.
Ein großer Vorteil der kanadischen KI-Landschaft ist, dass der Staat auf die Entwicklung ethischer KI setzt. Akteure aus der Branche orientieren sich in Kanada, z.B. in Bezug auf Datenschutz, an europäischen Standards und gelten daher als verlässliche Partner für südwestdeutsche Unternehmen – vor allem in den Bereichen angewandte KI und Forschung. Gefördert werden Kooperationen durch die 2025 gegründete Digital-Allianz zwischen Kanada und Deutschland, deren Schwerpunkt auf den Bereichen KI, digitale Souveränität und Infrastruktur sowie Quantentechnologien liegt.
Wasserstoff ist das aktuelle Trendthema schlechthin in Kanada. Bis 2050 plant das nordamerikanische Land zu einem der drei größten Wasserstoff-Produzenten der Welt zu werden und 30 Prozent des eigenen Energiebedarfs durch Hydrogen zu decken. Die Chancen dafür stehen gut, denn Kanada ist reich an Rohstoffen wie Biomasse, fossilen Brennstoffen und Wasser. Beim Aufbau einer eigenen Wasserstoffinfrastruktur spielt die Speicherung der grünen Ressourcen eine Schlüsselrolle, in der sich vielversprechende Möglichkeiten für südwestdeutsch-kanadische Partnerschaften bieten.
Für den in der Mobilität traditionell starken Südwesten ist vor allem der Ausbau der auf Wasserstoff basierten Schwerlastinfrastruktur in Kanada interessant, auf den sich u.a. die Firma Hydra Energy konzentriert. So entsteht seit 2022 in British Columbia die größte Lkw-Wasserstofftankstelle der Welt. Baden-württembergische Firmen aus dem Bereich bietet das die Möglichkeit, sich als Zulieferer zu positionieren. Auch im starken Rohstoffsektor Kanadas wird nach Wasserstofflösungen gesucht, um die Bergbauindustrie zu dekarbonisieren. Ein Beispiel dafür ist das Projekt Courant des Unternehmens Hy2gen Canada in Québec für die Produktion von grünem Ammoniak, bei dem sich hiesige Unternehmen mit passenden Technologien als Kooperationspartner einbringen können.
Auf die Produktion von Wasserstoff für den Export fokussiert sich die Ostküste Kanadas. Der Green Energy Hub des Unternehmens North Atlantic plant z.B. Wasserstoff für Deutschland herzustellen. Zwischen Deutschland und Kanada wurde im August 2022 eine Wasserstoffallianz begründet, die mehrere geplante Wasserstoffexportprojekte in Kanada sowie -Partnerschaften beider Länder fördert.
Kanada verfügt weltweit über die sechstgrößte Luftfahrtindustrie. 2024 erwirtschaftete die Branche laut einem Bericht der kanadischen Regierung zusammen mit den Zulieferern rund 33 Milliarden US-Dollar und beschäftigte ca. 225.000 Mitarbeitende. 75 Prozent der Umsätze waren exportorientiert, die Luft- und Raumfahrtunternehmen lieferten ihre Produkte in 195 Länder. Kanada sticht durch sein vielfältiges Produktportfolio und seine starke Integration in globale Wertschöpfungsketten heraus. In Nischenbereichen wie Geschäftsflugzeugen, Hubschraubern, Kleinmotoren sowie Simulations- und Schulungstechnologien ist das Land ein weltweiter Vorreiter. Auch für die Reparatur, Überholung und Wartung (MRO) von Flugzeugen entwickelt sich Kanada zu einem immer wichtig werdenden Zukunftstreiber. Das macht insbesondere Québec zu einem attraktiven Standort für Technologien aus der Branche. Dort sind bedeutende Forschungseinrichtungen, OEMs und Zulieferer zuhause.
Die zuvor erwähnten Investitionen in KI-Lösungen kommen auch dem Luft- und Raumfahrtsektor zugute. So sollen durch die voranschreitende Digitalisierung die Effizienz im Betrieb, der Produktion und Wartung verbessert werden. Das Thema Nachhaltigkeit wird ebenfalls großgeschrieben: Québec hat sich einen Namen als fortschrittlicher Standort für umweltfreundliche Antriebe, Drohnentechnologien und Leichtbau gemacht. Zusammengefasst bieten für baden-württembergische Unternehmen vor allem die Bereiche Digitalisierung, globale Lieferkettenbeteiligung und MRO somit gute Markteinstiegsmöglichkeiten.
Die Wirtschaftsrepräsentantin Yvonne Denz unterstützt gemeinsam mit Baden-Württembergs Innovationsscout Leander Andac südwestdeutsche Firmen mit unterschiedlichen Services auf ihrem Weg nach Kanada: „Für die meisten Unternehmen steht am Anfang der Expansion nach Kanada die Suche nach fundierten Marktinformationen – von branchenspezifischen Analysen bis zur Einschätzung konkreter Geschäftschancen. Ebenso wichtig ist die Identifikation geeigneter Geschäftspartner, ein entscheidender Faktor für einen erfolgreichen Markteintritt.“
Kontaktieren Sie sie gerne bei weiteren Fragen zum kanadischen Markt und konkreten Expansionsplänen!
Weitere Einblicke in Kanadas Marktchancen und die Arbeit der Wirtschaftsrepräsentanz erhalten Sie im Interview mit der Wirtschaftsrepräsentantin Yvonne Denz.
→ Zur Wirtschaftsrepräsentanz in Kanada
Bild: Sean Pavone