Es ist der bisher größte Zukauf in Alphabets Unternehmensgeschichte: Im März 2025 übernahm der Mutterkonzern von Google für rund 32 Milliarden US-Dollar das israelische Cloud-Security-Unternehmen Wiz. Eigentlich würde man davon ausgehen, dass der Tech-Gigant selbst über ausreichend Expertise im Bereich Cloud Computing verfügt. Durch die fortschreitende Digitalisierung nehmen Hackerangriffe jedoch weltweit zu, was die Ansprüche an die Sicherheit Cloud-gestützter IT-Systeme erhöht hat. Es geht nicht mehr nur um den reibungsfreien Betrieb dieser, sondern auch ihren Schutz. In Baden-Württemberg gab es 2024 rund 45.000 Cyberangriffe. Deutschlandweit betrug laut Bitkom der Schaden dieser mehr als 178,6 Milliarden Euro. Auch die EU hat sich dem Thema angenommen und neue Richtlinien zur Stärkung von Cybersicherheit eingeführt. Wiz gilt bei der Erkennung potenzieller Schwachstellen von IT-Systemen als einer der innovativsten Anbieter und zählt mittlerweile die Hälfte aller Fortune-100-Firmen zu seinen Kunden. Was steckt hinter Israels Cybersecurity-Landschaft, die solche innovativen Unternehmen hervorbringt?
Zwischen innovativen Start-ups, Leistungskursen und Spitzenforschung
„Das große Know-how israelischer Cybersicherheitslösungen gründet auf jahrzehntelanger Erfahrung in einer erfolgreichen Anwendung. Bereits in jungem Alter erhalten Gründer eine ausgezeichnete Ausbildung und können von einem dicht vernetzten Ökosystem dieser Branche profitieren. Denn in Israel sind viele Hundert internationale Unternehmen mit F&E Projekten aktiv, sodass sich insbesondere Tel Aviv und Beer Sheva zu globalen Innovationshubs für Cybersecurity entwickelt haben.“, erklärt Sana Kisilis, Innovationsscoutin des Landes Baden-Württemberg in Israel. Der Tech-Hub wächst vor allem durch junge Start-ups. Deren Gründer entwickeln durch ihr kreatives Mindset zukunftsweisende Lösungen und betrachten Herausforderungen als Chance statt Risiko. Diese punkten durch ihre schnelle Anpassungsfähigkeit und das Anbieten von Individuallösungen. Die Förderung neuer Technologien ist auch in der Kultur verankert - sowohl auf staatlicher als auch gesellschaftlicher Ebene. An Schulen sind Cybersicherheits-Leistungskurse Teil des Lehrplans und Hochschulen forschen auf Hochtouren zu dem Thema. Selbst im verpflichtenden Wehrdienst wird Cybersecurity thematisiert: In spezialisierten Einheiten werden jungen Israelis wichtige Grundlagen vermittelt, die das Know-how im späteren Berufsleben bei der Entwicklung eigener Softwarelösungen nutzen können.
So hat sich Cybersicherheit zu einer von Israels führenden Hightechbranchen entwickelt, die eine weltweite Vorreiterrolle einnimmt. Im Februar 2025 wurden in dem Bereich über 500 Unternehmen gezählt. „Besonders großes Potential sehe ich in der Automobilindustrie, bei Software- und Cloudanwendungen, Produktionsprozessen sowie der Sicherung kritischer Infrastruktur“, bewertet Kisilis die einzelnen Felder der Branche. Vor allem im Bereich Mobilität lohnt sich eine Zusammenarbeit. Die Transformation der in Baden-Württemberg starken Automobilindustrie führte nämlich zur Gründung israelischer Firmen, die ihren Schwerpunkt auf Cybersecurity-Lösungen für Fahrzeuge legen, deren neue Software-Anwendungen eine größere Angriffsfläche bieten. Die israelische Firma Cymotive ist zum Beispiel in dem Bereich aktiv und zählt Porsche zu ihren Kunden.
Starke Voraussetzungen für Partnerschaften
Israelische Unternehmen aus der Branche sind sehr exportorientiert und an Kooperationen mit ausländischen Partnern interessiert. Ihre Angebote gelten im Vergleich zu anderen Tech-Hochburgen wie dem Silicon Valley als finanziell erschwinglich. Für Firmen aus Baden-Württemberg bietet das gute Geschäftsmöglichkeiten, um den steigenden Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Erleichtert werden gemeinsame Projekte durch das im Jahr 2021 unterzeichnete MoU zwischen beiden Ländern, in dem auch eine engere Zusammenarbeit im Bereich Cybersecurity vereinbart wurde. Im selben Jahr war Baden-Württemberg eins der ersten deutschen Bundesländer, das ein eigenes Gesetz zur Verbesserung der Cybersicherheit veranlasste. Einige baden-württembergische Unternehmen nutzen das Potenzial von Kooperationen bereits. So betreibt Mercedes-Benz dort seit 2016 ein eigenes Forschungslabor, und die Schwarz-Gruppe, die laut eigenen Angaben mittlerweile täglich rund 350.000 Angriffe auf ihre Systeme abwehren muss, übernahm 2021 das israelische Softwareunternehmen XM Cyber, mit dem auch Baden-Württembergs Wirtschaftsrepräsentanz in Tel-Aviv im Austausch steht. XM Cyber hat ein Programm entwickelt, welches die Angriffswege von Hackern simuliert und so Schwachstellen in IT-Systemen erkennt. Auch Universitäten und Forschungseinrichtungen sind involviert, um durch wissenschaftliche Projekte eine gemeinsame Basis für Netzsicherheit zu schaffen.
Kisilis ist überzeugt, dass Israel ein bedeutender Cybersicherheit-Standort bleiben wird: „Israels Cybersecurity-Community entstand bereits vor Jahren im Zuge des Bewusstseins für eine immer größer werdenden Bedrohung aus dem Netz. Im Ergebnis entstanden exzellent ausgebildete Teams, die weltweit Konzerne vor Angriffen schützen und auch in Baden-Württemberg einen wichtigen Beitrag zum Datenschutz leisten. Die Cybertechnologien werden damit fortlaufend den aktuellsten Bedingungen angepasst und auf Undurchlässigkeit erprobt, was mittlerweile einer Vielzahl an baden-württembergischen Unternehmen zugutekommt. Fast alle deutschen Konzerne, die in dem Bereich aktiv sind, sind auch in Israel vertreten.“
Vermittlung von Kooperationspartnern durch die Wirtschaftsrepräsentanz
Kleinen und mittleren Unternehmen aus dem deutschen Südwesten kann bei der Suche passender Kooperationspartner Baden-Württembergs Wirtschaftsrepräsentanz in Israel helfen. Im Bereich Cybersicherheit hat sie bereits Unternehmen verschiedener Größen und Entwicklungsstufen bei einem Markteinstieg beraten und mit relevanten Partnern sowie potenziellen Kunden vernetzt – z.B. mit dem israelischen Startup IONIX oder dem Unternehmen RubyComm. Die Kontaktdaten finden Sie hier.