In Schottland wird die Zukunft der Raumfahrt geschrieben: Auf den Shetlandinseln befindet sich Europas erster orbitaler Raketenstartplatz und auch bei der Satellitenherstellung sowie Space-Data-Lösungen spielt das Land in der oberen Liga. Baden-Württembergs Repräsentantin für das Vereinigte Königreich Nicola Pinder ist überzeugt: „Auf kleinstem Raum vereint Schottland eines der dynamischsten und innovativsten Raumfahrt-Ökosysteme Europas entlang der gesamten Wertschöpfungskette und mit beeindruckendem Wachstumstempo. Von der Entwicklung und Produktion hochmoderner Kleinsatelliten über Launch-Capabilities mit mehreren entstehenden Weltraumbahnhöfen bis hin zu datengetriebenen Downstream-Anwendungen wie Erdbeobachtung und Analytik. Diese einzigartige Bündelung an Kompetenzen ist in Europa nahezu beispiellos.“
Etwa 250 Unternehmen sind laut Scotland Development International Teil des schottischen Raumfahrtsektors, der mehr als 7000 Fachkräfte beschäftigt. Fast ein Fünftel aller britischen Arbeitsplätze der Branche sind in Schottland angesiedelt. Bis 2030 strebt die Regierung einen Anteil von vier Milliarden Pfund im weltweiten Space-Tech-Markt an. Förder- und Investitionsprogramme treiben diese Entwicklung voran. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird großgeschrieben. So hat Schottland die weltweit erste Strategie für eine nachhaltige Raumfahrtindustrie veröffentlicht.
Glasgow hat sich zu einem zukunftsweisenden Zentrum für die Entwicklung und Produktion von Kleinsatelliten etabliert. An keinem anderen Ort in Europa werden so viele Kleinsatelliten wie dort gefertigt. Innovative Satellitenhersteller und exzellente Forschungseinrichtungen haben sich dort angesiedelt. Das 2005 gegründete Unternehmen AAC Clyde Space gilt als europäischer Pionier der Kleinsatelliten-Produktion und bei satellitengestützten Datendiensten. Auf seine Lösungen setzen sowohl kommerzielle als auch wissenschaftliche Kunden aus der ganzen Welt. Eine schottische Firma, die sich in der Miniaturisierung von Raumfahrttechnologien einen Namen gemacht hat, ist Alba Orbital. Sie entwickelt sogenannte „PocketQube“-Satelliten - sehr kleine und kostengünstige Satelliten, die u.a. in der Erdbeobachtung, Forschung und Kommunikation eingesetzt werden. Durch sie können Raumfahrtmissionen günstiger und flexibler gestaltet werden. „Baden-Württembergs erstklassige Hersteller von Satellitennutzlasten und Kommunikationskomponenten – insbesondere Tesat – sind natürliche Zulieferer und Technologiepartner für schottische Satellitenhersteller wie AAC Clyde Space, Alba Orbital und Spire“, beschreibt Pinder das bisherige südwestdeutsche Engagement in dem Sektor.
Zu den wichtigsten akademischen Akteuren der Branche gehört die University of Strathclyde, die eng mit Industriepartnern zusammenarbeitet und z.B. zu Satellitentechnologien und Launch-Systemen für Kleinsatelliten forscht.
Zu Europas führendem Standort für datengetriebene Raumfahrtanwendungen entwickelt sich Edinburgh. In der schottischen Hauptstadt haben eine Vielzahl innovativer Space-Data-Unternehmen ihren Sitz, wie z.B. Earth Blox, Ecometrica und Space Intelligence. Durch ihre Lösungen können u. a. geografische Karten erstellt und der Klimaschutz gefördert werden. Auch die University of Edinburgh und Heriot-Watt Universität treiben durch ihre Forschung den Sektor voran. So bietet die University of Edinburgh mit dem Edinburgh Space Hub eine eigene Innovations- und Forschungsplattform für die Branche zur Vernetzung von Akteuren aus der Wissenschaft, Industrie und Politik an. Es bündelt Forschungsaktivitäten aus Bereichen wie KI, Robotik und Klimaforschung. Die Stadt beheimatet mehr als 400 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Industrie, die gemeinsam Datentechnologien voranbringen.
Schottland ist neben Norwegen das einzige europäische Land mit eigenen Weltraumbahnhöfen, die kurz vor dem operativen Betrieb stehen. Pinder betont, dass das Potenzial des Landes zu einem führenden Markt für Kleinsatelliten-Starts zu werden, enorm ist: „Schottlands nördliche geografische Lage und der Küstenzugang zum verkehrsarmen nordatlantischen Luftraum machen es zu einem einzigartigen Standort für den Start von Kleinsatelliten in polare und sonnensynchrone Umlaufbahnen – entscheidend für Erdbeobachtungsmissionen.“ SaxaVord ist Europas erster orbitaler Raketenstartplatz. Er liegt am nördlichsten Punkt der Shetlandinseln und voraussichtlich noch in diesem Jahr werden dort Raketen vom Heilbronner Unternehmen HyImpulse starten. Laut Pinder lohnt sich ein Markteinstieg für baden-württembergischen Firmen in dem Bereich: „Die Antriebsexpertise von HyImpulse und ArianeGroup in Baden-Württemberg bildet z.B. in Kombination mit Schottland aufstrebenden Weltraumbahnhöfen in Shetland, Sutherland und Prestwick eine natürliche Verbindung zwischen Antriebstechnologieentwicklung und Startkapazität.“ Nach der Fertigstellung der Bahnhöfe wird Schottland über eine vollständige Raumfahrt-Wertschöpfungskette verfügen, die von der Entwicklung, Herstellung und dem Start von Satelliten, Empfang ihrer Daten sowie Nutzung dieser in der Praxis, reicht.
„Für Unternehmen aus Baden-Württemberg bietet dieser aufstrebende Sektor attraktive Perspektiven“, betont Pinder. Kooperationen eröffnen den Zugang zu einem stark wachsenden Zukunftsmarkt und durch den Technologietransfer können neue wertvolle Impulse gewonnen werden. Auch sind strategische Partnerschaften in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Nachhaltigkeit laut Pinder entscheidend für die weitere Entwicklung der Branche: „Die Komplementarität zwischen beiden Regionen ist bemerkenswert - Baden-Württemberg führt in den Bereichen Fertigung, Antriebstechnik und Satellitennutzlasten, während Schottland bei der Kleinsatellitenmontage, der Startinfrastruktur und der Datenanalyse führend ist.“
Nehmen Sie bei Interesse am schottischen Raumfahrtsektor gerne Kontakt zu Nicola Pinder auf. Sie steht Ihnen bei Fragen zur Seite.