Eine indonesische Studentin und ein indonesischer Student tauschen sich miteinander aus, während sie an einem Gebäude vorbeilaufen

Hochschulmarkt ASEAN: Bildungsreformen eröffnen neue Chancen in Indonesien

In Indonesiens junger Bevölkerung steigt das Interesse an einem Studium im Ausland. Das bietet baden-württembergischen Hochschulen viel Potenzial für die Studierendengewinnung.

“Der ASEAN-Raum zählt zu den dynamischsten Bildungs- und Wachstumsregionen weltweit. Für baden-württembergische Hochschulen bietet er nicht nur Zugang zu einer jungen, wachsenden und zunehmend international orientierten Studierendenschaft (…), sondern auch vielfältige Kooperationsmöglichkeiten mit ambitionierten Hochschulen und Forschungseinrichtungen. In vielen Ländern besteht zudem ein hoher Bedarf an qualitativ hochwertiger Ausbildung, insbesondere in technischen und anwendungsnahen Disziplinen, in denen Baden-Württemberg traditionell sehr stark positioniert ist“, so Kai Neuber, ASEAN-Repräsentant des Landes Baden-Württemberg, über die Chancen des südostasiatischen Hochschulmarkts. In unserer ASEAN-Hochschulmarktserie werfen wir einen Blick auf Schwerpunktmärkte der Region, die durch ihr Potenzial für die Studierendengewinnung herausstechen.

Mit über 4600 tertiären Bildungseinrichtungen und zehn Millionen Studierenden verfügt Indonesien über eines der größten Hochschulsysteme weltweit. Das mit 280 Millionen Einwohnern viertbevölkerungsreichste Land der Welt profitiert von seiner sehr jungen Population, deren Durchschnittsalter bei ca. 30 Jahren liegt. Die Mittelschicht wächst, wodurch sich mehr Menschen ein Studium finanzieren können. Der Inselstaat plant bis 2040 zur viertgrößten Volkswirtschaft aufzusteigen, wofür stark in Bildung investiert wird und Hochschulen ihre Internationalisierungsstrategien vorantreiben.

 

Durch Hochschulreformen bereit für die Internationalisierung

Die indonesische Regierung reformiert seit 2022 aktiv ihr Hochschulsystem. Dadurch gewinnen Bildungseinrichtungen an mehr Autonomie und werden Verknüpfungen zur Industrie gefördert. Insbesondere bei letztem Punkt können sich baden-württembergische Fachhochschulen mit ihrem hohen Praxisanteil sehr gut positionieren. Im Rahmen der Reformen wächst auch die Zahl englischsprachiger Studiengänge und Double Degree Programme. Mittlerweile dürfen ausländische Universitäten in Indonesien sogar eigene Zweigstellen aufbauen, um das Angebot ausgezeichneter Bildung im Land zu erhöhen. Das eröffnet zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten für südwestdeutsche Hochschulen - vor allem weil das Angebot an qualitativ hochwertigen Studiengängen in Indonesien die hohe Nachfrage junger Indonesierinnen und Indonesier nicht decken kann.

Am beliebtesten sind in Indonesien die Fachrichtungen Lehramt und Pädagogik, Wirtschaft sowie Sozialwissenschaften. Eine besondere Rolle spielen die Studiengänge Agrarwissenschaften, Meereswissenschaften und Geologie aufgrund der geografischen Bedingungen des Inselstaats. So zeichnen das Land eine hohe Artenvielfalt und die weltweit zweitgrößte Biodiversität nach Brasilien aus. Naturwissenschaften werden mit Ausnahme der zuvor genannten Fachrichtungen in Indonesien selbst hingegen weniger stark nachgefragt, weil das Land nur begrenzte Ressourcen neuer Technologien sowie wenige Forschungsverbünde hat.

 

Deutschland beliebtester Studienort in der EU

In Deutschland verfolgten zuletzt 5800 indonesische Studierende einen Abschluss – innerhalb der EU ist die Bundesrepublik der beliebteste Hochschulstandort. Attraktiv ist Deutschland vor allem aufgrund der niedrigen Studiengebühren, dem hohen Angebot an internationalen Studiengängen und sehr guten Ruf in Naturwissenschaften und technischen Fächern. Neuber ist überzeugt, dass diese Zahlen ausbaufähig sind: „Aufgrund der Größe Indonesiens und seines Hochschulsystems besteht hier erhebliches Wachstumspotenzial, wobei der Zugang häufig über staatliche Programme und institutionelle Kooperationen erfolgt.“ Zu den in Deutschland am stärksten nachgefragten Fachrichtungen gehören Ingenieurwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften, die die indonesische Bevölkerung mit sehr guten Zukunftsaussichten verbindet. Viele Studierende aus Indonesien planen nach ihrem Studienabschluss in Deutschland zu bleiben, weil sie hier mehr berufliche Möglichkeiten und höhere Gehälter als in Indonesien erwarten.

 

Die beliebtesten Fachrichtungen indonesischer Studierender in Deutschland:

  1. Ingenieurwissenschaften
  2. Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
  3. Naturwissenschaften und Mathematik

Für den erfolgreichen Aufbau von Kooperationen und die Gewinnung von Studierenden in Indonesien teilt der DAAD Indonesien folgende Tipps:

  • Beim Initiieren von Hochschulpartnerschaften sollten die Qualitätsunterschiede zwischen indonesischen Hochschulen beachtet werden, da diese größer ausfallen können. Die staatliche Akkreditierungsbehörde BAN-PT bietet eine Übersicht zu den Richtlinien und kann bei der Einschätzung helfen.
  • Persönliche Beziehungen tragen in Indonesien einen hohen Stellwert, weshalb baden-württembergischen Hochschulen empfohlen wird, nach Indonesien zu reisen, um vor Ort neue Kooperationen auszuloten und Kontakte zu pflegen.
  • In der indonesischen Kultur spielen Hierarchien eine wichtige Rolle, was sich auch im Hochschulsystem widerspiegelt. So sind indonesische Bildungseinrichtungen im Gegensatz zu deutschen top down orientiert, was in der Kommunikation berücksichtigt werden muss. Außerdem sollte in Gesprächen mit indonesischen Partnern Kritik nicht direkt und in großen Runden geäußert werden, sondern eher diplomatisch unter vier Augen.
  • Für die Ansprache indonesischer Studierender ist es zunächst wichtig, ein Angebot englischsprachiger Programme zu haben, da diese stärker als deutschsprachige Studiengänge nachgefragt sind. Eine ebenfalls wichtige Rolle spielen für junge Indonesierinnen und Indonesier Stipendien zur Studienfinanzierung.
  • Bei einem Studienstart in Deutschland werden Buddy-Programme empfohlen, die das Ankommen in Baden-Württemberg erleichtern – nicht nur weil ein Studium an sich mit neuen Herausforderungen verbunden ist, sondern auch aufgrund der kulturellen Unterschiede zwischen beiden Ländern.

Bei Fragen zum Aufbau von Hochschulpartnerschaften und der Gewinnung internationaler Studierenden aus Indonesien unterstützt Sie Baden-Württembergs Repräsentant Kai Neuber. „Unser Ziel ist es, Hochschulen den Markteinstieg zu erleichtern und nachhaltige Partnerschaften zu fördern“, betont er. Nehmen Sie gerne Kontakt auf!

 

→ Zum Auslandsbüro in Singapur für ASEAN

 

Weiterführende Informationen zum indonesischen Hochschulmarkt können Sie auch bei der DAAD-Außenstelle in Jakarta finden.

 

Bild: Odua Images

 

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